Wir sind alle googlisiert
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Wir alle nutzen täglich Google, die schnell, einfach und zuverlässig unsere Suchanfragen bearbeitet. Erinnern wir uns Jahre zurück als wir zum ersten Mal Google genutzt haben, dann wird uns bewusst, welches positive Erlebnis wir mit dieser Suchmaschine hatten. Es war die Zeit des „Wilden Westens“ im Internet, in der eine strukturierte und einfach zu bedienende Suchmaschine den Nerv der Zeit traf. Nicht zu vernachlässigen ist, dass die Qualität der Suchergebnisse wesentlich besser war als bei anderen Anbietern. Die Super-Suchmaschine war somit geboren.
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Google hat es dabei geschaffen, über Jahre hinweg einen guten Job zu leisten und Nutzer nicht zu enttäuschen.
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Laut Studien von Vividence Research und ACSI spiele die Qualität der Suchergebnisse mittlerweile jedoch kaum eine Rolle, da diese nur minimale Unterschiede unter den bekannten Anbietern aufzeige. Internetnutzer sollen auf Suchmaschinen zurückgreifen, mit denen eine emotionale Beziehung bestehe. Die Anziehungskraft, insbesondere die Sympathie und Bekanntheit von Marken sei in der heutigen Zeit das wichtigste Kriterium für die Auswahl einer Suchmaschine. Stefan Karzauninkat von Seekport beschreibt diese Phänomen mit folgenden Worten: "Untersuchungen haben gezeigt, dass Internetnutzer die Ergebnisse einer Suche, die mit dem Google-Logo ausgeliefert werden, automatisch als gut einstufen, auch wenn sie im Test von einer ganz anderen Suchmaschine stammen."
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Daher liegt die Befürchtung nahe, dass wir alle googlisiert sind.
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Wir vertrauen Google blind, die beste Suchmaschine zu sein, auch wenn das nicht einmal der Wahrheit entspricht.
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Die Blindheit kommt zustande, weil anscheinend mittlerweile die Qualität aller Suchmaschinen „ähnlich“ gut ausfällt und es daher nicht auffällt, dass die Ergebnisse nicht voll Google stammen. Denn Google, beurteilt nach einem Schulnotensystem von 1 (sehr gut) bis 6 (sehr schlecht), schafft es ungefähr auf eine Leistung von 2. Andere Suchmaschinen schneiden hierbei ähnlich ab, so dass der Qualitätsunterschied nicht mehr wirklich bemerkbar ist.
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Dies widerum bedeutet, dass die meisten Nutzer mit Google zufrieden sind und eigentlich – wenn wir mal alle ganz ehrlich sind – nicht wirklich das Interesse haben sich mit einer anderen Suchmaschine zu beschäftigen, die Qualität von unterschiedlichen Suchmaschinen miteinander zu vergleichen, um ggf. zu einer anderen Suchmaschine zu wechseln. Die Qualitätsunterschiede und demzufolge auch der Mehrwert sind einfach zu gering, um Zeit und Energie zu investieren und andere Suchmaschinen auszuprobieren. Hinzukommt, dass der Mensch ein faules Gewohnheitstier ist und es scheut „Neues“ auszuprobieren. Und schon gar nicht, wenn es nicht bemerkbar ist, dass es sich lohnen könnte.
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So ähnlich ist es auch im echten Leben.
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Die meisten Menschen haben einen Arzt oder Anwalt ihres Vertrauens, weil sie sich bei diesem Menschen wohlfühlen und glauben, dass dieser seinen/ihren Job gut macht. Aber eigentlich können wir gar nicht die Kompetenz bzw. die Arbeit von Ärzten oder Anwalten beurteilen, weil uns die fachliche Kompetenz fehlt.
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Aus diesem Grund setzen wir auf unsere Erfahrungen, die wir mit dem jeweiligen Arzt oder Anwalt gemacht haben oder/und vertrauen auf Empfehlungen von anderen Menschen, die widerum Erfahrungen mit diesem gemacht haben.
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Letztendlich aber haben wir auf gar keinen Fall ein echtes Interesse, uns mit anderen Ärzten und Anwälten zu beschäftigen, weil es uns schwer fällt einen Qualitätsunterschied zu den Dienstleistungen festzustellen, wir eigentlich relativ zufrieden sind und wir daher kein unnötiges Risiko eingehen wollen, um eine andere - vielleicht sogar im schlimmsten Fall schlechtere - Dienstleistungen auszuprobieren.
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Und genauso ist es auch bei der Nutzung von Suchmaschinen.
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Aber auch das Prinzip der Massen spielt in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle. Denn Internetnutzer fühlen sich sicher, die beste Suchmaschine ausgewählt zu haben, da sich Google als beste Suchmaschine in den Köpfen der Menschen eingespeichert hat. Folgender Gedanke kommt dabei zum Tragen:
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„Wenn so gut wie alle Google nutzen und zufrieden sind, dann muss Google entweder tatsächlich die beste Suchmaschine sein oder alle liegen falsch“
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Da es aber für den einzelnen Menschen als sehr unwahrscheinlich erscheint, dass alle Menschen falsch liegen, so geht man davon aus, dass Google dann schließlich doch die beste Suchmaschine sei.
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Alleine, dass das Wort „googlen“ als Synonym für das Suchen im Netz genutzt wird, zeigt, welches gigantische Vertrauen auf Google gesetzt wird. Solch ein Vertrauen kommt nur ganz wenigen Produkten und Marken zu Gute, wie z.B. Nutella, Tempo oder Aspirin, welche sich weitestgehend als Synonyme für Nuss-Nugat Creme, Taschentuch und Kopfschmerztabletten durchgesetzt haben.
Alles in allem bedeutet es, dass Google’s Macht nicht – so wie viele behaupten – in der Informationshoheit oder/und in der Super-Suchmaschine liegt, sondern das Vertrauen der Menschen zu Google die eigentliche Macht ist.
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Was Bing, Yahoo & Co. so alles falsch machen
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Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Suchmaschinen wie Bing, Yahoo & Co. die marktführende Herrschaft von Google durch bessere Suchergebnisse vom Thron stoßen können. Denn auch wenn Bing, Yahoo & Co. bessere Ergebnisse als Google liefern sollten, so wird dies so gut wie niemanden auffallen bzw. interessieren.
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Demzufolge müsste eigentlich die Strategie der Wettbewerber darin bestehen, nicht besser, sondern „anders“ zu sein. Oder gar „anders besser“ zu sein. Aber solange das „anders“ nicht vorhanden ist, werden Bing, Yahoo & Co. als „billige“ Version von Google wahrgenommen. Denn schaut man sich die Suchmaschinen an, so sehen diese dann doch irgendwie sehr ähnlich aus.
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Entscheidend ist aber auch – wie bereits vorher erwähnt -, dass die meisten Nutzer kein Interesse haben, sich mit einer anderen Suchmaschine zu beschäftigen. Im Umkehrschluss bedeutet das widerum, dass Nutzer neuen Suchmaschinen keine Chance geben, sich zu behaupten.
Aber genau weil es so ist, müssten Bing, Yahoo & Co. ihr Marketing grundlegend verändern und Kunden anders von ihrer Suchmaschine überzeugen. Der Gedanke „Wir sind besser als Google“ reicht dabei überhaupt nicht aus, da das Internet-Nutzer nicht überzeugt und weil niemand so recht versteht, was die jeweilige Suchmaschine besser kann als Google.
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Aber auch so ist die Strategie völlig verfehlt. Im Prinzip wäre es so als ob man behaupten würde, dass eine Fußballmannschaft aus der dritten Liga besser Fußball spielen könne als eine andere Mannschaft aus der ersten Liga – ohne dabei überzeugend darzustellen, warum das jeweilige Team besser sei.
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Natürlich muss man behaupten, dass man besser sei – anders geht es nicht! Nicht desto trotz ist die Frage wie man Nutzer überzeugen könnte. Prinzipiell möglich wäre, dass man in kurzen TV-Spots die Suchmaschine mit seinen einzelnen Funktionen und Vorteilen zeigen könnte. Dabei kommt folg. Gedanke zum Tragen:
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„Wenn der Kunde uns keine Chance gibt und unsere tolle Suchmaschine nicht ausprobieren möchte, so zeigen wir es ihm einfach“
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oder anders gesagt:
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„Wenn der Kunde nicht zu uns kommt, so kommen wir zu ihm“
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Genau mit dieser Strategie hatte es Apple mit seinen kurzen TV-Spots zu der Erstauflage des iPhones geschafft, viele Menschen in den Wohnzimmern von seinem Produkt und seinen Vorteilen zu begeistern. Im Suchmaschinen-Markt hat das bislang noch niemand versucht, noch nicht …
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O.V., Vividence Research, Studie: Google ist nicht besser als die Konkurrenz
http://www.golem.de/0405/31438.html
Druckdatum: 26.05.2004
O.V., ACSI, Auch Google hat seine wunden Punkte
http://www.welt.de/webwelt/article1168430/Auch_Google_hat_seine_wunden_Punkte.html?page=2#read_comments
Druckdatum: 09.09.2007
O.V., IST, Bei Suchmaschinen beeinflusst die Marke die Bewertung der Leistung
http://www.heise.de/newsticker/meldung/91986
Druckdatum: 29.06.2007